Wir über uns und wie alles begann
„Sammler sind glückliche Menschen“ sagte schon Johann Wolfgang von Goethe. Unsere gemeinsame Sammelleidenschaft begann wohl an jenem Tag als wir bei einem Freund altes Blechspielzeug in einer Vitrine entdeckten. Fortan begaben wir uns auf die Suche nach diesem alten Blechspielzeug auf Floh- und Antikmärkten, beim Antiquitätenhändler, Trödler und auf unzähligen Auktionen. Es gab immer wieder etwas Neues zu entdecken. Bald stand der lange schmale Flur unserer damaligen Weddinger Wohnung voll gestopft mit trommelnden Bären, gackernden Hühnern, Rad fahrenden Elefanten, Blechmäusen, Knackfröschen, Motorrädern, Feuerwehrfahrzeugen u.v.m. Es nahm überhand und wir mussten uns entscheiden, von welchem Teil der Sammlung wir uns trennen. Erst behielten wir noch die Mäuse, Motorräder und Knackfrösche und diese eine Kindernähmaschine in der Vermutung, dass es „so etwas“ sicher nicht so häufig gibt. Weit gefehlt, denn in den folgenden Jahren fanden sich immer wieder und immer wieder andere Modelle dieser kleinen Kindernähmaschinen. Nach vielen Jahren intensiven Sammelns - mittlerweile waren wir auch einem Nähmaschinensammlerverein beigetreten - spezialisierten wir uns in erster Linie auf die Kindernähmaschinen der Firma F. W. Müller jr. aus Berlin-Kreuzberg.

Erst als Otto Landgraf, ein Mitglied unseres Sammlervereins, meinte „ihr wohnt doch in Berlin, schaut doch mal nach, ob von der Müllerschen Fabrik noch etwas zu sehen ist“, wurde unser Interesse geweckt mehr über die Geschichte dieser Fabrik zu erfahren.

Bei unserem zweiten Besuch in der Cuvrystraße 20-23, an einem Sommertag im Jahre 1995, entschlossen wir uns, einfach mal durch die Toreinfahrt auf den Hinterhof zu gehen. Wir standen plötzlich vor der Müllerschen Fabrik - unfassbar. Wer wen damals zuerst angesprochen hat ist durch die ganze Aufregung in Vergessenheit geraten. Wir saßen mit Anne, Armin und Rudolf vom Kerngehäuse an diesem großen Tisch im Hof und erzählten uns gegenseitig was wir über dieses Haus und über Müller wissen. Armin holte uns aus dem Keller seiner Druckerei Kartons voll mit alten Holzdruckstöcken, Lieferscheinen, Rechnungen und Klischees und Rudolf brachte Originalkataloge. Man erzählte uns, dass das Stangenmaterial für die Nähfüßchenproduktion zum Abhängen von Zimmerdecken Verwendung fand und von Hannes Kowatsch, der beim Ausräumen des Müllerschen Büros als Einziger Interesse an den Unterlagen zeigte und diese aufgehoben hat. An dem Abend konnten wir vor Aufregung kaum schlafen und es ergab sich dann einfach, dass wir diese Informationen aufschrieben. Schon dabei reifte der Gedanke, dass man doch eigentlich noch viel mehr über diese Firma erfahren könnte.
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Die Fabrik